Geschichte ist das vergangene Geschehen.
Es ist also alles, was passiert ist.
Alles kann man nicht aufnehmen, sonst wäre die Landkarte so groß wie das Land, das sie darstellen soll.
Also brauchen wir Karten, die zeigen, was man sehen will. Anders ausgedrückt man muß filtern, was man finden will zwischen Erkenntnis und Interesse.
Finden kann man aber nur das, was da ist. Man muß das finden, was dokumentiert ist.
Das können Dinge und Aufzeichnungen aus der Zeit oder über die Zeit sein.
Die Beschäftigung mit Geschichte ist also interessengeleitet.
Und sie kann nur auf das zurückgreifen, was dokumentiert ist – das geht aber direkt und indirekt.
Wenn ich auf meine Erfahrungen zurückgreife, dann sieht es so aus.
Als ich die Geschichte der Arbeitnehmer in Remscheid aufzeichnen wollte, gab es dazu keine Aufzeichnungen. Es gab nur Unterlagen über Sozialkassen im Stadtarchiv. Die Zeitungen waren inhaltlich fast leer und die Arbeitnehmer selbst hatten so gut wie nichts notiert oder hinterlassen. Ich hätte also nur über diese Zeit schreiben können, indem ich mir den Alltag mit Gegenständen aus der Zeit angeguckt hätte.
Aber dann stieß ich in der Zeit von Bismarck auf Polizeiberichte. Dort fand ich dann Berichte über Treffen in Gasthäusern, gefährliche Wirtshäuser und Diskussionen.
So konnte ich indirekt über die Menschen schreiben, die selbst kein Tagebuch führten.
Daraus ergab sich dann zuguterletzt ein Buch über die Geschichte der Arbeiterbewegung im Bergischen.
Das ist dann Geschichtsschreibung.
Ich habe dies damals in dem Buch so aufgeschrieben (ohne Farbe im Papier):
Umgekehrt haben die Unternehmer in Remscheid und Umgebung fast immer Portraits in Öl von sich anfertigen lassen. Sie hatten Aufzeichnungen über ihre Reisen und vieles mehr. Und all dieses wurde dann in einem Museum vor Ort aufbewahrt und ausgestellt.
So ist dann die Verteilung von Macht und Medien gewesen, denn Geld führt – übrigens bis heute…
Ich will dies nur skizzieren und nicht ausweiten, weil man nun viele Fragen stellen könnte nach Meinungsmacht usw. Mir geht es hier auch nicht um Gesellschaftskritik, sondern nur um den Problemhorizont.
Heute sind wir technisch weiter, weil digital noch nie so viel geschrieben wurde. Aber was davon kann man überhaupt benutzen und was davon ist nicht über Nacht verschwunden, wenn digitale Medien verschwinden?
Und was davon wird relevant?
Wenn ich zum Beispiel diese Webseite lösche, dann ist alles weg, was hier war.
Wer dann in 100 Jahren etwas über mich oder die Geschichte vor Ort wissen will, der wird nichts finden.
Deshalb haben viele Menschen vor mir schon Geschichte eingeteilt in Überrest und Tradition.
Die KI von google hat dies aus verschiedenen Quellen so zusammengefaßt:
„Der Überrest (Unwillkürliche Quelle)
Ein Überrest ist eine Quelle, die unabsichtlich für die Nachwelt hinterlassen wurde.
Sie entstand aus einer konkreten Alltagssituation heraus und war nur für die damalige Gegenwart bestimmt.
Der Urheber hatte nicht die Absicht, zukünftige Generationen historisch zu unterrichten.
Beispiele: Alltagsgegenstände, Tonscherben, Rechnungen, Knochen, Kleidung oder Verwaltungsakten.
Die Tradition (Willkürliche Quelle)
Eine Tradition (auch Traditionsquelle genannt) wurde absichtlich geschaffen, um Wissen oder Erinnerungen an die Nachwelt weiterzugeben.
Der Verfasser oder Erbauer wollte Zeitgenossen oder kommende Generationen über ein Ereignis oder eine Person informieren.
Beispiele: Chroniken, Geschichtsschreibungen, Memoiren, Denkmäler, Grabinschriften oder offizielle Reden.“
Ich habe damals zunächst aufgeschrieben und mit Worten publiziert. Aber das Geschehen war vielfältig und ich sah mehr als ich in Worte fassen konnte. So fing ich an zu fotografieren, um zu dokumentierten. Das war mein Zugang zur Dokumentarfotografie.
Heute gibt es digital viele Fotos und Videos. Manches davon wäre gedruckt besser, wenn man es später noch mal zeigen will.
Aber die eigene Endlichkeit zeigt schon die Mauern, die man nicht überwinden kann.
Selbst die Mächtigsten und Reichsten Menschen der Welt haben es nicht geschafft. Die Pyramiden sind für die Ewigkeit gemacht und doch nur ein Symbol für die Vergänglichkeit geworden.
Und heute ist wieder alles anders.
Am Anfang war die Not und nicht das Tagebuch! Als ich dies damals schrieb, ging es mir darum, daß in einem Land, das von den Menschen aufgebaut wurde mit Fleiß und Zuversicht, diese auch daran beteiligt werden als Staatsbürger mit Sozialversicherung und gutem Einkommen und guter Rente.
Ich habe nicht gedacht, daß daraus ein System wird, welches die Fleißigen bestraft und die Faulen belohnt.
Das gehört dann auch zur Geschichte und zur Geschichtsschreibung.
Aber das ist eine andere Geschichte.
