Michael Mahlke

Meine historischen Themen haben sich aus meinem Leben ergeben. Die meisten historischen Arbeiten habe ich sogar selbst bezahlt oder nur einen kleinen Teil der Kosten zurückerhalten. Erst schrieb ich Bücher und/oder gab sie heraus, dann entwickelte ich Software und zuguterletzt dokumentierte ich mit Bildern Veränderungen, die ich selbst erlebt hatte. Die Welt würde sicherlich auch ohne diese Dinge leben. Aber aus meiner Sicht bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass die Menschen auch mit Bildung keine Chance haben, aus ihren Verhältnissen zu kommen. Solange Macht und Eigentum im grossen Stil und weltweit vererbt werden oder durch Heirat übertragen werden, bleiben die Armen die Dummen. Bildung hilft dies zu verstehen, deshalb wollen die Mächtigen auch nicht, dass zu viele Menschen lesen, schreiben und denken lernen. Aber Macht wird eben nur durch Gegenmacht begrenzt und Reichtum ebenfalls nur durch Reichtum, also Umverteilung. Und nicht alle dummen Menschen können klug werden, aber man könnte mit ihnen fairer umgehen.

Nach meinem Studium der Menschen in Geschichte und Gegenwart (Geschichte und Sozialwissenschaften) habe ich konkret und lokal die Menschen und ihre Verhältnisse vor 150 Jahren untersucht und im Prinzip diese Untersuchungen bis heute fortgesetzt, wobei ich die letzten 30 Jahre bewusst politisch miterlebt habe und als Zeitgenosse und Zeitzeuge vom Wort zum Bild wechselte.

Was ich getan habe hätte man als beamteter Historiker nicht tun können (man wäre auch nie drauf gekommen). Aber als persönlich motivierter Mensch waren dies alles materielle Verlustgeschäfte und sie waren karrierehemmend. Es lohnt sich also nicht, sich mit den Menschen und ihren Kämpfen zu beschäftigen und gegen das Vergessen zu schreiben. Weder die Beteiligten noch die Betroffenen haben ein Interesse daran, es gibt meistens Streit und es sind keine Schritte zu einem besseren materiellen und ideellen Leben.

Ich ging arbeiten und musste sogar noch aufpassen, dass ich bei der Dokumentation von sozialen Kämpfen und Ungerechtigkeiten nicht noch fristlos entlassen wurde. Das hatte was!

Menschen sind animalisch und können durch Erziehung und Vorleben diesen Zustand teilweise überwinden und zu sozial engagierten und toleranten Menschen werden. Ich habe sogar geglaubt, dass der Verstand und die Vernunft im Sinne der Menschheit eingesetzt werden können. Meine Hoffnung war, dass das Pendel vom Ich zum Wir mehr zum wir ausschlägt. Aber ich habe heute begriffen (mit 50 Jahren), dass die Menschen sich nicht ändern nur das zivilisatorische Umfeld. Ich habe 30 Jahre Seminare durchgeführt zu Themen wie “Global denken, vor Ort handeln” oder dem besseren Umgang miteinander. Im Ergebnis war der Lockruf des Geldes immer stärker als der Lockruf der Vernunft. So ist die eigene Lebensgeschichte auch ein guter Ansatz, um die Welt zu verstehen.

Wenn ich alles zusammenfasse, dann würde ich dies so sagen:

Der Teufel geht gerne in die Kirche.

 

1 Comment

Add Yours

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.