Visual History in seiner besten Form ist in diesem Buch zu finden.

„Aus dem Alltag von Menschen, die in unserer Gesellschaft nicht mehr zählen“ lautet der Untertitel des Buches.

Hier hat ein Dokumentarfotograf ein Buch gemacht, das Fotos mit Grafiken und erzählenden Sprechblasen mischt, eine sogenannte Graphic Novel.

Es ist eine gute Mischung geworden, die das Thema über Fotos viel sichtbarer und einsehbarer macht als es ein Text allein könnte.

Die Gelbwesten in Frankreich sind die aktuelle Antwort auf das Frankreich von Macron. Die Montagsdemos waren die Antwort auf die Einführung von Hartz 4 in Deutschland.

Obwohl es Millionen betrifft, ist es kein Thema für die Mehrheit, weil Menschen sich eher ducken als sich zu wehren.

Wie sollten sie auch?

Zumindest Jarousseau macht in diesem Buch visuell und mit Texten sehr deutlich, wie Armut aussieht und wie schwer es ist, damit umzugehen. Er zeigt auch das, was das System in Frankreich bietet.

Seine visuellen Geschichten zeigen Menschen, die in der Stadt Denain leben, die einst vom Stahlwerk Usinor lebte und ein Magnet der Region war.

Heute ist es ein „Nicht-Ort, dessen Bewohnerinnen und Bewohner nun zum Bleiben gezwungen sind.“

Das Buch ist eine eher seltene Form der sozialdokumentarischen Fotografie: „Gerade die nüchterne Dokumentation in Bildern macht dieses Werk so eindringlich und empathisch.“

Mir gefällt auch, daß er exakte Angaben zu den Einkommen und Umständen macht, die sonst so gerne ungenannt bleiben.

Diese Graphic Novel oder dieses spezielle Fotobuch erklärt „Die Wurzeln des Zorns“, die sich in Frankreich bei den Gelbwesten entluden und aus Sicht einer nicht darwinistischen humanistischen Sicht nachvollziehbar sind.

Insofern dokumentiert dieses Buch im klassischen Sinne und wird in einigen Jahren ein Geschichtsbuch sein, das Antworten auf die Frage gibt, wie es so weit kommen konnte.

Ein wirklich gutes Buch zur sozialen Fotografie und zur Sozialgeschichte.

Das Buch ist im Blessing Verlag erschienen.

ISBN: 978-3-89667-663-4