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Die Geschichte der Fotografie von Paul Lowe

„Da es in diesem Buch um Fotografie und nicht um Geschichte geht, wurden viele berühmte Bilder nicht aufgenommen, die uns weniger über das Medium als über die Situation erzählen.“ Mit diesem Ansatz hat Paul Lowe ein Buch erstellt, das uns nun wirklich viel über die Fotografie und ihre Geschichte erzählt.

Es entstand ein Buch das textlich und visuell eine wahre Wonne ist.  „Die Geschichte der Fotografie von Paul Lowe“ weiterlesen

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Candide oder die beste aller Welten von Voltaire

„Endlich hatte die Fehd‘ ein Ende; die beiden Könige ließen das Te Deum in ihren Lagern anstimmen. Derweil faßte unser Kandide den Entschluß, in andern Gegenden über Wirkungen und Ursachen zu philosophieren; stieg über die Haufen der Toten und Sterbenden weg und arbeitete sich in einen nahbelegnen Aschenhaufen vom Dorfe herein. Es hatte vor kurzem den Abaren gehört, und die Bulgaren hatten es dem Völkerrechte gemäß abgebrannt. Greise lagen hier, die Wund‘ an Wunde hatten und neben sich ihre zermetzelten Weiber mußten hinsterben sehn, an deren blutenden Brüsten ihre Säuglinge zappelten; dort gaben Jungfrauen ihren Geist auf, deren jegliche einem Halbdutzend Helden ihre Naturbedürfnisse hatte stillen müssen und nachher war entbaucht worden; hier schrien andre, deren Leichnam halbverbrannt war: man möcht‘ ihnen nur den Rest geben. Die ganze Erde war mit Gehirnen übersät und mit Armen und Beinen.“

Damit sind wir in der besten aller möglichen Welten angekommen.

Der junge Candide oder Kandide wird aus dem Schloss verjagt, weil er mit der schönen Kunigunde erwischt wurde. Und nun muß er die Welt entdecken. In einem Wirtshaus wird er betrunken gemacht und wird leichte Beute als Soldat. Nach einigen Wirren trifft er seinen alten Lehrmeister wieder:

„Und Ihr kennt Euren lieben Panglos nicht mehr? sagte der eine Unglückliche zum andern Unglücklichen. „Was hör‘ ich? Sie sind’s, mein lieber Lehrer? Sind in solch gräßlich Elend gesunken? Wodurch das? Und weshalb nicht mehr in dem schönsten aller Schlösser? Was ist aus Baroneß Kunegunden geworden, der Perl‘ aller Mädchen, dem Meisterstücke der Natur?“ Mit mir ist’s aus, rief Panglos, und sank um. Alsbald schleppt‘ ihn Kandide in des Wiedertäufers Stall und gab ihm ein paar Bissen Brot, und als er sich wieder ein wenig erquickt hatte, fragt‘ er ihn: Nun, und Kunegunde? Ist tot, erwiderte jener. Bei diesen Worten sank Kandide in Ohnmacht; sein Freund brachte ihn mit einem paar Tropfen verdorbnem Weinessig wieder zu sich, der sich von ungefähr im Stalle fand. Kandide (die Augen aufschlagend): Tot! Kunegunde tot! Oh, wo bist du beste der Welten ? – Aber woran starb sie? Gab ihr das den Tod, daß sie mich aus ihres Herrn Vaters schönem Schlosse mit derben Fußstößen hinausjagen sahe? Panglos. Das nicht! Bulgarische Soldaten schlitzten ihr den Bauch auf, nachdem sie selbige zuvor auf’s möglichste genotzüchtigt hatten; den Baron, der ihr beistehn wollen, hatten sie vor’n Kopf geschossen; die Frau Baronin in Stücken zerhauen; meinem armen Untergebnen nicht besser mitgespielt als seiner Baroneß Schwester; und was das Schloß anlangt, da ist kein Hammel, keine Ente am Leben geblieben, kein Stein auf dem andern, keine Scheune, kein Stall, kein Baum auf seinem alten Fleck. Wir haben aber Genugtuung bekommen, völlige Genugtuung. Die Abaren haben’s auf einem benachbarten bulgarischen Rittersitz ebenso gemacht. Kandide sank bei der Erzählung abermals in Ohnmacht; nachdem er aber wieder zu sich gekommen war und ein gehöriges Lamento angestimmt hatte, erkundigt‘ er sich nach der Ursach und Wirkung und dem zureichenden Grunde, der Panglosen in einen so erbärmlichen Zustand versetzt. Panglos. Ach Liebe war’s, Liebe, sie, die Trost auf das ganze menschliche Geschlecht herabströmt, das ganze Universum umfaßt und erhält, sie, der Lebensquell aller fühlenden Geschöpfe; Liebe war’s, der zärtlichste aller Affekte. Kandide. Auch ich hab sie gekannt, diese Liebe, sie, die alle Herzen beherrscht, Leben und Licht in unsre Seele bringt; und der Lohn, den sie mir gab, bestand aus einem Kuß und zwanzig Fußtritten in den Hintern; ein beßrer Lohn ward mir nie. Wie konnte aber diese schöne Ursach so abscheuliche Wirkungen bei Ihnen hervorbringen?“

Und so reist Candide durch die Welt, erlebt viele Abenteuer mit Ungarn, Türken, Muftis, Katholiken – allem, was die damalige Welt zu bieten hatte, um endlich dorthin zu kommen, wo man besser leben kann.

Alles Wichtige zu diesem Buch findet sich in einem Wikipedia-Artikel.

Aber es lohnt sich, dieses Buch heute noch mal zu lesen, denn im Zeitalter von Gender und verbaler Gleichmacherei wäre zu fragen, ob so ein Buch nicht unter die Zensur fiele:

„Ein bulgarischer Hauptmann trat in mein Schlafgemach, sähe wie mein Blut herabtropft, der Soldat blieb, wo er Posten gefaßt hatte. Der Hauptmann ward wild, daß dies Vieh so wenig Subordination bezeigte, und stach ihn auf meinem Leibe tot, er ließ mich hierauf verbinden und führte mich als Kriegsgefangne in sein Quartier. Ich wusch ihm sein paar Hemden und bestellte seine Küche. Er fand – muß ich gestehen –, daß ich ein gar niedlich Ding sei, und er war – ich kann’s gar nicht in Abrede sein – eine sehr wohlgebaute Mannsperson, hatte eine weiche, weiße Haut, aber herzlich wenig Kopf und noch weniger Philosophie: man merkt‘ es ihm gleich an, daß er kein Schüler des großen Panglos gewesen war. Binnen einem Vierteljahr war all‘ sein Geldchen fort und er meiner überdrüssig; er verkaufte mich an den Don Isaschar, einen Juden, der nach Holland und Portugal handelte und ein ungemeiner Liebhaber von Frauenzimmern war. Wie der Mann an mir hing, wie er mit Bitten und Gewalt in mich drang, und doch konnt‘ er nicht siegen. Ich tat ihm tapfrern Widerstand als dem bulgarischen Soldaten. Ein rechtschaffnes Mädchen kann wohl einmal geschändet werden, aber dadurch wird sie um so mehr Lukrezia. Um mich zahmer zu machen, führte mich der Jude auf dies Landhaus hier. Ich hatte bisher geglaubt, es gäbe kein schöners Schloß als das unsrige, nunmehr wurd‘ ich eines Bessern belehrt. Eines Tages ward mich der Großinquisitor in der Messe gewahr, er warf während des hohen Amts die lüsternsten, buhlendsten Blicke auf mich und ließ mir melden, er hätte mir etwas unter vier Augen zu sagen. Ich ward in seinen Palast gebracht, entdeckte ihm meine Herkunft; er stellte mir vor, wie weit es unter meinem Range wäre, einem Schuft von Juden anzugehören, und ließ dem Don Isaschar den Vorschlag tun, mich Ihro Hochwürden Gnaden abzutreten. Dazu wollte sich Don Isaschar nicht verstehn; der Mann ist Hof Wechsler und gilt viel. Der Inquisitor drohte ihm mit einem Autodafé. Das wirkte; jagte meinen Juden ins Horn. Husch! schloß er einen Vergleich mit dem Pfaffen; vermöge dessen gehör‘ ich und Haus ihnen gemeinschaftlich; der Montag, Mittwoch und Schabbes ist dem Juden, die übrigen Tage in der Woche gehören dem Inquisitor.“

Darf man heute so noch schreiben? Hat sich die Welt trotz der Abschaffung solcher Sprache verbessert oder wird sie dadurch besser? Ist Voltaire ein Rassist, waren alle Menschen vor uns Rassisten?

Dies alles sind Fragen, die wir uns stellen und beantworten sollten.

Eine Antwort lautet in der aktuellen Debatte ja, daß man das Wort Rasse aus dem Grundgesetz streichen soll. Wenn es so einfach wäre!

Eine andere würde wohl in Verlängerung lauten, wenn wir alles verbieten, was rassistisch ist, dann gibt es weniger Rassismus in den Köpfen. Glaubt da jemand dran?

Übrigens endet unser Denken an den Grenzen des Landes, das wir selbst verteidigen, um so leben zu können – wenn wir es noch verteidigen …

Candide oder der Optimismus ist so gut, weil er die Widersprüchlichkeit der Welt und der Menschen auf den Punkt bringt.

Es ist ein Buch, das sich heute vielleicht mehr denn je lohnt, weil es uns den Spiegel vorhält und unsere Zeitgebundenheit deutlich macht.

Voltaire hat die Machtstrukturen seiner Zeit und die Ideologien und Glaubensfragen herausgearbeitet, die zu Kriegen und Gemetzel führten.

Die Machtstrukturen sind bis heute vorhanden.

Da wir alle endlich sind und Geld führt und unsere Antworten heute haben uns nicht weiter weg aus den Fragen unserer Welt gebracht.

„Wenn wir über die Armen sprechen, dann tun wir so, als würden Geld und Leistung zusammenhängen – aber gleichzeitig sehen wir bei den Reichen jeden Tag, dass das eine Lüge ist. Ich würde das Erben abschaffen, und dafür die Möglichkeiten, zu Lebzeiten zu schenken, ausweiten. “

So klug und gut wie Anna Mayr kann man heute bei uns diskutieren. Aber es gibt ja noch die Bestrebungen der alten Adeligen, sich selbst wieder einzusetzen und es gibt die neuen Herrscher und Gruppen, die die Welt mit alten und neuen Argumenten sich untertan machen wollen.

Und wer nicht in einer Demokratie mit unserer Meinungsfreiheit lebt, was kann der/die tun? Da lacht man meistens über Gendersternchen und das dritte Geschlecht.

Insofern lohnt sich das Buch Candide heute um so mehr, weil es unser eigenes Denken und Handeln ebenso infrage stellt wie früheres Denken und Handeln.

Klar ist, wenn man den Menschen die soziale Sicherheit nimmt, destabilisiert sich ein System und kann nur mit Gewalt aufrecht erhalten werden. Klar ist auch, es gibt genügend, die sich gerne mit Gewalt die Macht nehmen würden, auch in Demokratien. Da den Herrschenden (Geld führt) die Regierenden zu Füßen liegen und alle Versuche, dies abzuschaffen, nicht gelingen werden, bleibt zu fragen, wie man am Besten überlebt.

Das Leben gibt die Antwort.

 

 

 

Veröffentlicht in Buch, Zeitgeschichte

Vincent Jarousseau, Die Wurzeln des Zorns

Visual History in seiner besten Form ist in diesem Buch zu finden.

„Aus dem Alltag von Menschen, die in unserer Gesellschaft nicht mehr zählen“ lautet der Untertitel des Buches.

Hier hat ein Dokumentarfotograf ein Buch gemacht, das Fotos mit Grafiken und erzählenden Sprechblasen mischt, eine sogenannte Graphic Novel.

Es ist eine gute Mischung geworden, die das Thema über Fotos viel sichtbarer und einsehbarer macht als es ein Text allein könnte. „Vincent Jarousseau, Die Wurzeln des Zorns“ weiterlesen

Veröffentlicht in Buch

Das verfallene Haus des Islam von Ruud Koopmans

„Wie das Christentum hat auch der Islam in seiner Geschichte viele Gesichter gezeigt, von den schönsten Beispielen der Nächstenliebe bis hin zu den schrecklichsten Formen von Sklaverei und Völkermord. Das Einzige, was sie alle gemeinsam hatten, war, dass sich diejenigen, die diese Wohl- und Gräueltaten vollbrachten, ausnahmslos durch die Heiligen Schriften ihrer Religion legitimiert fühlten.“ „Das verfallene Haus des Islam von Ruud Koopmans“ weiterlesen

Veröffentlicht in Buch, Zeitgeschichte

Eberhard Klöppel, Das Mansfelder Land 1974–1989 Bildband

Ich habe hier eine außergewöhnlich gute Perle der Dokumentarfotografie gefunden.

Der Fotograf Eberhard Klöppel hat im Mitteldeutschen Verlag ein Fotobuch veröffentlicht, das am Beispiel des Mansfelder Landes durch Fotos mit großer dokumentarischer Kraft zeigt, wie es war bis zur Wende. Hinzu kommt der Längsschnitt und der Querschnitt durch die Zeit, der dies alles als Gesamtbild erfahrbar macht.

So muß ein dokumentarfotografisches Buch sein, das soziale Fotografie, Zeitgeschehen und das Leben vor Ort über viele Jahre darstellt. Es ist einfach großartig, weil es ungeschönt aber wohlwollend zeigt, wie es eigentlich gewesen ist.

Wenn Fotos noch eine dokumentierende Funktion haben, dann ist sie hier zu sehen.

Rückblickend ist dieses Buch aber noch viel mehr. Es ist eine detailreiche und spannende visuelle Geschichte über das Leben in der DDR.

Michael Birkner führt in das Buch mit einem sehr informativen Textbeitrag ein. Dort können wir u.a. lesen: „Klöppels Fotos zeigen auch sonst nicht diese für aktuelle Ausstellungen … so gern gewählten Motive, die Tristesse vermitteln, Resignation und ein graues Leben in einem grauen Land suggerieren…. Was nicht heißt, dass Klöppel beschönigt. … Klöppel zeigt wie es war zu dieser Zeit im Mansfelder Land.“

Das kann man wohl sagen.

Die Fotos in diesem Buch sind vor allem auch in dieser Zusammenstellung von einer ungeheuren sozialdokumentarischen Kraft, die dadurch wesentliche Elemente der sozialen und industriellen Strukturen vor Ort zeigen und zugleich deutlich machen, wie man damals arbeitete und lebte.

Es ist dem Fotografen Eberhard Klöppel mit diesem Buch gelungen, das Echte und Einfache der dokumentarischen Fotografie eindrucksvoll umzusetzen.

Bravo!

Meiner Meinung nach ist dieses Buch auch ein gelungenes Beispiel, um die Realität vor der Wende jenseits der großen politischen Debatten vor Ort zu zeigen.

Das Buch ist fotografisch einfach stark durch die dokumentarische Kraft seiner Fotos.

Meine Begeisterung für dieses Buch hat auch noch einen anderen Grund.

Da ich durch eigene Tätigkeit weiß, wie schwer es ist, soziale Entwicklungen und strukturelle Umbrüche in Industrieregionen zu zeigen, die viele Aspekte umfassen, halte ich dieses Fotobuch für besonders gut und besonders gelungen.

Es ist leicht ein Ereignis zu zeigen, egal ob Demo oder Betriebsschließung – aber es ist ungeheuer schwer, den Alltag von Menschen zu zeigen und die Ereignisse, die ihn verändern, so daß im fotografischen Mosaik ein Gesamtbild eines Zeitraumes vor Ort entsteht. Das erfordert ja immer wieder die Beschäftigung mit den Menschen und den Abläufen dort vor Ort über längere Zeit.

Wie schreibt der Verlag?

„Kaum ein Bildreporter hat so intensiv das Geschehen im Mansfelder Land beobachtet wie Eberhard Klöppel. Er begann schon früh zu fotografieren. In seinem Archiv gibt es Tausende Fotos vom Leben in seiner Heimat. Aber wichtigstes Thema waren für ihn Bergbau und Hütten – und vor allem die Menschen, die dort arbeiteten.
Klöppels Fotos zeigen nicht die vermeintliche Tristesse und Resignation, sondern vermitteln Leben. Nie agiert er als Regisseur, sondern konsequent als Beobachter, als Dokumentarist seiner Zeit. Er zeigt, wie es war in diesen Jahren im Mansfelder Land: Ob es der Umzug der Ausgezeichneten am 1. Mai ist, die Hochzeit mit Dreimannkapelle und den tanzenden Gästen, der von Frauen in Kittelschürzen umringte Kosmonaut Sigmund Jähn bei der Autogrammstunde, das Leben in der Mittelstraße in Helbra, das »Dreckschweinfest« der Grunddörfer zu Pfingsten oder auch der Wiesenmarkt in Eisleben.“

Es ist im Mitteldeutschen Verlag erschienen.

Eberhard Klöppel
Das Mansfelder Land 1974–1989
Bildband
Mit einem Text von Michael Birkner

geb., 210 × 260 mm, 144 S., s/w-Abb.
ISBN 978-3-96311-305-5

 

 

Veröffentlicht in Buch, Heute

Die drei wichtigsten Bücher unserer Zeit in Deutschland

Jede Zeit hat ihre Chronisten und Geschichtsschreiber. Zeitgeist und Zeitgeschichte in Büchern zu finden ist da nicht immer möglich. Aber aktuell gibt es drei Bücher, die zusammen zeigen, wie unser Zeitgeist aussieht, was uns gerade bestimmt und was bei uns geschehen ist.

  • Was bestimmt unsere Zeit,
  • was ist in den Köpfen der politisch denkenden Menschen,
  • was bestimmt das Handeln der politischen Klasse bei ihrem Eigennutz noch,
  • was bewegt die Menschen vor Ort wirklich?

„Die drei wichtigsten Bücher unserer Zeit in Deutschland“ weiterlesen

Veröffentlicht in Alle, Buch, Zeitgeschichte

Auschwitz – Fall of the Modern Age von Tomasz Lewandowski

Die Allianz hat Auschwitz versichert. Deshalb forderte sie, daß im Vernichtungslager ein Feuerlöschbecken gebaut wurde. Dieses Feuerlöschbecken konnte auch als Schwimmbad genutzt werden und ist als Foto nun in dem Buch Auschwitz – Fall Of The Modern Age zu sehen. „Auschwitz – Fall of the Modern Age von Tomasz Lewandowski“ weiterlesen

Veröffentlicht in Buch

Deutschland. Eine Reise durch die Zeit von Berthold Steinhilber und Sabine Böhne

Geschichte in Geschichten ist schon großartig, aber Geschichte mit Fotos in Geschichten ist noch besser. Und so ist hier ein Buch entstanden, das eine echte Empfehlung ist, wenn man mit Fotografie Deutsche Geschichte anschauen und erleben will. „Deutschland. Eine Reise durch die Zeit von Berthold Steinhilber und Sabine Böhne“ weiterlesen

Veröffentlicht in Buch

Geschichte ohne Epochen? – von Jacques Le Goff

„Die Historiker dürfen nämlich auf gar keinen Fall, wie das bislang zu oft geschehen ist, die Idee der Globalisierung mit Gleichmacherei verwechseln. Bei der Globalisierung gibt es zwei Etappen. Die erste besteht in der Kommunikation: Zwischen Regionen und Zivilisationen, die vorher nichts miteinander zu tun hatten, werden Kontakte geknüpft. Die zweite ist ein Phänomen der Absorption, der Verschmelzung. Bis heute hat die Menschheit lediglich die erste Etappe erlebt.“

So endet das Buch des erfahrenen Historikers Jacques Le Goff. Es endet mitten in der Gegenwart.

Und genau darum geht es. „Geschichte ohne Epochen? – von Jacques Le Goff“ weiterlesen

Veröffentlicht in Buch

Die IG Metall zwischen Wiedervereinigung und Finanzmarktkrise vom Vorstand der IG Metall (Hg.) und Boris Barth

Es ist ein kleines und lesbares Buch geworden. Jörg Hofmann schreibt im Vorwort „Es ist der Blick eines Historikers auf diese letzten 25 Jahre Geschichte der IG Metall und seine Bewertung wesentlicher Aspekte unserer Arbeit.“

Da lohnen sich dann umso mehr einige Blicke darauf. Ich war dabei, er war es nicht. Ich erlebte die Zeit von unten und von innen, er las die Protokolle und sprach mit mindestens drei Vorsitzenden. Daher ist das Buch für mich sehr spannend.

So bleibt zunächst festzustellen, daß die Papierlage gut war. „Die IG Metall zwischen Wiedervereinigung und Finanzmarktkrise vom Vorstand der IG Metall (Hg.) und Boris Barth“ weiterlesen

Veröffentlicht in Buch, Neuzeit

Ruhrgebietsfotografien 1928–1933 von Erich Grisar

Es ist vielleicht eines der gehaltvollsten Fotobücher zur Dokumentarfotografie in Deutschland überhaupt. Der Dortmunder Schriftsteller und Fotograf Erich Grisar war fast vergessen und nun sieht man im Rückblick, daß es ohne ihn keine Blicke auf die soziale Vergangenheit des Ruhrgebietes in dieser Art geben würde. Was für ein Lob für einen leider Toten, der seine Lebenszeit bewußt und klar aufgezeichnet hat mit Kamera und Schreibmaschine! „Ruhrgebietsfotografien 1928–1933 von Erich Grisar“ weiterlesen

Veröffentlicht in Buch, Neuzeit

Mittelalter Fotografie von Charlie Dombrow, hrsg. Ulrich Dorn

„Wie geht ein Ritter in Rüstung zum Klo? Trug jedes Burgfräulein einen Keuschheitsgürtel? … Zum Glück haben sich die Zeiten gewandelt. Heutzutage kann man solche Fragen direkt jenen stellen, die die Antworten eigentlich wissen müssen. Beispielsweise einem echten Ritter, der sich auf einem Mittelalterfest gewiss auch mit der Entsorgung beschäftigen muß…  Das wiederbelebte Mittelalter ist ein wunderbares Thema für Fotografen. Entdecken Sie mit der Kamera eine abwechslungsreiche Szene, die Traditionen bewahrt und Historie lebt…“

Mit diesen Worten führt uns der Autor Charlie Dombrow in sein Buch über Mittelalter-Fotografie ein. „Mittelalter Fotografie von Charlie Dombrow, hrsg. Ulrich Dorn“ weiterlesen

Veröffentlicht in Buch

Das visuelle Zeitalter. Punkt und Pixel von Gerhard Paul

Gerhard Paul hat es geschafft.  Sein Buch zur visuellen Geschichtsschreibung ist wunderbar und großartig.

Warum?

Das Buch ist wunderbar, weil es sich einer Sprache bedient, die jeder verstehen kann ohne studiert zu haben und die dennoch fachlich angemessen ist.

Und das Buch ist großartig, weil er einen großen Wurf machte und genau getroffen hat.

Er zeigt wie das Bild den Text als vorherrschendes Medium ablöste und alles veränderte.

Und er zeigt wie sich ein neuer Persönlichkeitstypus entwickelt hat, der visual man. Da hätte ich mir lieber den visuellen Menschen gewünscht, aber das ist ja gemeint.

Alles fing mit Bertha Röntgen an, der Ehefrau von Wilhelm Conrad Röntgen. Paul zeigt uns das Röntgenbild der rechten Hand von Bertha Röntgen und nimmt es als Symbol für die entscheidende Veränderung der Bilderwelt.

Röntgenbilder „verschoben die Grenzen zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren und sie stellten die herkömmlichen Codes wissenschaftlicher und künstlerischer Abbildungstechniken in Frage.“

Von der neuen Sachlichkeit über Fotomontagen bis zu den Surrealisten wie Dali wird vor uns die Geschichte der Bildermacht ausgebreitet, die uns bestimmt, gegen die wir uns wehren, die wir bekämpfen und die uns immer mehr beschäftigt – ob wir wollen oder nicht.

Wir sind mittendrin.

Bilder bestimmen unser Leben.

Das war 1800 noch nicht so. Aber heute ist es so.

Gerhard Paul zitiert Bazon Brock: „Wenn man heute auf einem größeren Flughafen wie etwa München landet, hat man zeitgleich siebenhundert visuelle Impulse zu verarbeiten. Da man die Augen nicht schließen kann, während man auf sein Gepäck wartet, ist man dem Terror von siebenhundert parallel geschalteten Bildbewegungen ausgesetzt. Jeder Wahrnehmungspsychologe kann bestätigen, dass das ungefähr der Belastung von Feuerüberfällen im Schützengraben entspricht.“

„Bildertsunami“ ist also keinesfalls übertrieben.

Aber wer merkt es noch?

Wenn man damit aufgewachsen ist, dann ist dies unsere „Normalität“, die „Norm“ des visuellen Menschen.

Gerhard Paul ist Historiker und zeigt uns daher die Entwicklungen und den jeweiligen visuellen Zeitgeist. Er nutzt dazu „Bildzitate“, das sind viele kleine Fotos von Fotos, Plakaten, Zeichnungen, Malereien etc.

Wie soll man auch sonst Bilder zitieren, wenn man sie nicht zeigen kann?

In diesem Fall eines wissenschaftlichen Werkes scheint es geregelt aber grundsätzlich ist diese Frage bestimmt noch offen, wenn man Journalistenverbände fragen würde. Doch dies gehört  hier nur als Thema der Zeit rein, es ist eine ungelöste Frage im visuellen Zeitalter.

Der visuelle Mensch nimmt seine Zeit, seine Mitmenschen und seine Welt dann anders wahr als es noch zu Gutenbergs Zeiten war. Er kommuniziert auch anders.

Paul gelingt es mit einem großen Schnitt die Zeitachse thematisch sinnvoll aufzuspalten und das Buch in abgeschlossene und sehr klar strukturierte Kapitel zu unterteilen von 1839 bis 1919, 1918 bis 1933, 1933 bis 1945, 1945 bis 1949, 1949 bis 1989 jeweils BRD und DDR, ab 1989/90.

Daraus wird ersichtlich, daß er sich an den politischen Ereignissen orientiert. Und es wird auch deutlich, daß Politik und Bilder untrennbar zusammengehören. Was zu sehen ist, ist da und kann wirken. Was nicht da ist, kann nicht in die Köpfe. Ob und wie es dann in die Köpfe kommt war in jedem Zeitabschnitt anders. Da lohnt sich jedes einzelne Kapitel.

Er hat überall die nötige intellektuelle Distanz und läuft meiner Meinung nach zur Höchstform auf je mehr er sich der Gegenwart nähert. Er zeigt Zusammenhänge auf, die bis in die aktuelle Politik reichen und berührt oft eher ungewollt die Gegenwart, wenn er zeitgeschichtliche Entwicklungen anspricht.

Im Kapitel über die DDR weist er auf eine Medienkompetenz hin, die westdeutschen Blicken fehlt:

„Nicht zuletzt Eduard von Schnitzler und sein Schwarzer Kanal hatten den Visual Man in der DDR gelehrt, dass die televisuellen Bilder nichts als bloßer Schein und böse Propaganda waren. Die beständig in konträren Bildwelten lebenden DDR-Bürger entwickelten im Laufe der Jahrzehnte daher einen kritischen Blick (Karin Hartewig), eine Art Bildkompetenz, die sie sowohl den westlichen als auch den östlichen Bildwelten gegenüber grundsätzlich skeptisch hatte werden lassen.“

Dieser Gedanke endet natürlich mitten im aktuellen politischen Geschehen und wird dort je nach Interesse ausgeschlachtet werden. Deshalb erspare ich mir jeden weiteren Kommentar.

Die Verankerung von Technik in der Alltagskultur ist mit entscheidend für die soziale Ausgestaltung einer Gesellschaft und sehr entscheidend für die Kommunikation der Menschen und der Mächtigen.

Paul schildert den Siegeszug des Fernsehens in Deutschland, der symbolisch bei der Olympiade 1972 zu sehen war.

Und er beschreibt wie Facebook seit der Gründung 2004 in zehn Jahren Kommunikationsplattform von mehr als einer Milliarde Menschen wurde mit monatlichen Fotouploads in Milliardenhöhe. Diese gigantischen Zahlen zeigen aber auch, daß visuelle Kommunikation heute ohne Technik undenkbar ist. Da würde der Schelm in mir fragen, was passiert eigentlich, wenn der Strom ausfällt für lange Zeit? Der Historiker würde dann vielleicht an die Höhlenmalereien als Einstieg und das geschriebene Wort als Aufstieg denken. Aber das ist hier kein Thema.

Gerhard Paul schildert neben den Bilderfluten auch den parallelen Aufstieg der Piktogramme und der Schilder. Je komplexer die Welt desto aussagekräftiger und unverseller mußten Symbole und Piktogramme werden.

Verkehrsschilder mussten genau so universell sein wie die Piktogramme auf den Handys. Das setzte sich fort bis in die Fotografie wie er sehr differenziert darstellt. Verkaufsfähige Fotos sind daher heute oft so abstrakt, daß sie als stockphotos universell einsetzbar sind aber jeder konkreten Aussage entbehren.

Zur Höchstform läuft er in meinen Augen im letzten Kapitel auf. Dort zeigt er die Mechanismen der Bilderwelt von heute aus ihren historischen Entstehungsbedingungen – einfach großartig wie er die Dinge offenlegt und uns die Gedanken schenkt, die unseren analytischen Blick schulen können.

„Der Golfkrieg von 1991 und der Kosovokrieg von 1999 markieren gewissermaßen den pictorial turn in der bisherigen Kriegsführung. Mit beiden Kriegen setzte sich das Bild als smart weapon (Nicholas Mirzoeff) und damit als vierte Waffengattung neben Heer, Luftwaffe und Marine durch. Es wurde integraler Bestanteil der Kriegsführung, so dass zu Recht von einem military visual complex gesprochen wurde.“

Früher wurden die Gegner getötet und dem Feind die Köpfe der Getöteten überbracht. Heute tötest du meine Freunde und dafür töte ich deine Freunde mit dem Ergebnis, daß die Bilder des Einen dann zu den Bildern des Anderen führen, die über die Netzwerke privater Konzerne dann weltweit gezeigt werden,  auch mit Werbung, als vierte Waffengattung.

Das endet außerhalb seines Buches aktuell bei Edward Snowden, der uns gezeigt hat, daß alles, was digital vorstellbar ist, auch gemacht wird, um eigene Interessen durchzusetzen.

Detailliert geht Paul auf Deutschland ein und zeigt wie aus einer Demokratie der Transparenz eine Demokratie der Medien wurde. Früher versuchte man zu zeigen wie es war, heute wird es so gezeigt wie es in die Struktur der Medien passt.

„Fakt jedenfalls ist, das sich Kanzler Schröder zwecks Mobilisierung von Aufmerksamkeit weitestgehend den Logiken der Medien anpasste, während seine Amtsnachfolgerin Angela Merkel sehr viel präziser die Bildmedien für ihre Form einer nüchternen Politikdarstellung nutzte.“

Das hat er geschrieben, bevor Merkel letztes Jahr mit Selfies die Welt nach Deutschland lockte. Aber es belegt auch, daß sie genau wußte, was sie tat oder zumindest ihre Berater.

So ist in dem Buch immer die Grenze zu spüren zwischen historischer Analyse und dem, was wir uns dann denken können, weil genau da der Historiker Paul seriöserweise aufhört.

Die genaueste Rezension ist natürlich die, die so dick ist wie das Buch oder noch dicker. Das wären in diesem Fall mindestens  750 Seiten. Meine Rezension dient daher dazu, ein besonderes Buch vorzustellen, das sich inhaltlich und äußerlich 5 Sterne verdient hat.

Das ist hier der Fall.

Ansonsten gäbe es über dieses Buch noch so viel zu schreiben, daß es besser ist, wenn Sie es einfach selber lesen. Die vielen Bildzitate darin ermöglichen stundenlanges Verweilen und die Texte laden überall zum Lesen ein.

Das Buch ist im Wallstein-Verlag erschienen.

Gerhard Paul
Das visuelle Zeitalter
Punkt und Pixel

Reihe: Visual History. Bilder und Bildpraxen in der Geschichte (Hg. von Jürgen Danyel, Gerhard Paul und Annette Vowinckel); Bd. 01

ISBN: 978-3-8353-1675-1

 

Veröffentlicht in Buch

Deutsche Geschichte in Bildern und Zeugnissen

Wenn es ein „offizielles“ Geschichtsbuch über Zeugnisse deutscher Geschichte gibt, dann ist es dieses Buch. Aktuell in der 3. Auflage ist im Theiss-Verlag bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft ein großformatiges und prächtiges Bilderbuch zur deutschen Geschichte erschienen.

Es zeigt viele Ausstellungstücke aus dem Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Dieses Buch enthält einen Kernbestand deutscher Kulturgüter aus den verschiedenen Zeiten der deutschen Geschichte.

Es ist unter vielen Gesichtspunkten interessant. Ich möchte ganz kurz das Augenmerk auf das Visuelle legen.

Alle Zeugnisse deutscher Geschichte in diesem Buch sind abfotografiert und auf Fotos zu sehen.

Es sind aber kaum Fotos als Zeugnisse zu sehen.

Wir sehen neben Gegenständen vor allem gemalte Bilder.

Wenn wir bei Fotos oft von Bildern sprechen und dies begrifflich gleichsetzen, so ist dies hier völlig falsch.

„Deutsche Geschichte in Bildern und Zeugnissen“ bedeutet hier, daß es sich um abfotografierte Malerei bei den Bildern handelt und Fotografien als Zeugnisse einer bestimmten Zeitepoche nur sehr gering zu sehen sind.

So ist dieses Buch gefüllt mit Fotografien, die Bilder und Zeugnisse aus der deutschen Geschichte zeigen.

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Der Inhalt des Buches entspricht der Ausstellung. Da diese nur in Berlin zu sehen ist, bietet dieses Buch auch denen, die nicht nach Berlin kommen können, einen Einblick in Zeugnisse und Bilder deutscher Geschichte.

Es ist auch von der Aufteilung gut gemacht und macht sogar beim reinen Durchblättern Spaß.

Wenn Geschichte visuell erfahrbar gemacht werden soll, dann ist dies ein guter Ansatz.

Weil Geschichte ja auch immer von den Mächtigen geschrieben wird, ist dieses Buch natürlich auch Ausdruck vergangener Macht und vergangener Mächtiger. Weil das Volk sogar in Zeitungen nicht vorkam, ist auch die Auswahl eine Widerspiegelung damaliger und heutiger Machtverhältnisse.

Und wenn man genau hinschaut und die Frage stellt, was denn aus den letzten dreißig Jahren als Zeugnisse im Buch zu finden ist, dann wird es besonders spannend.

Ich sehe fast nur Konsumprodukte.

Insofern ist das Buch noch viel mehr als eine Sammlung von Zeugnissen und Dokumenten. Es ist auch Ausdruck des „offiziellen“ Geschichtsbewußtseins und damit in einigen Jahren selbst ein Zeugnis unserer Zeit.

Super!

Das Buch ist im Theiss-Verlag erschienen.

Deutsches Historisches Museum (Hrsg.)
Deutsche Geschichte in Bildern und Zeugnissen
ISBN: 9783806233025

Veröffentlicht in Buch, Zeitgeschichte

Von großen Brüder und falschen Freunden von Silke Betscher

In Unterhaltungsmedien funktioniert die Manipulation besonders gut. Dies zeigt uns Silke Betscher in ihrem Buch über illustrierte Zeitschriften im Nachkriegsdeutschland. Es sind allerdings nur vier Zeitschriften.

Der vollständige Titel des Buches lautet „Von großen Brüdern und falschen Freunden. Visuelle Kalte-Kriegs-Diskurse in deutschen Nachkriegsillustrierten“.

Ist Textlogik argumentativ und Bildlogik assoziativ? Daraus ergibt sich bei der Autorin die „visuelle Diskursanalyse“ als Methode des Buches.

Daniel Krause meint dazu: „Visuelle Diskursanalyse“ wirft zahlreiche Fragen auf, und Betscher bringt wertvolle Klärungen an. Ein eigenständiges Kapitel ist „methodologischen Reflexionen“ gewidmet. Glücklicherweise erspart es dem Leser jene Grundsatzdebatten, die Dunkelheit des Ausdrucks als Tiefe des Gedankens missdeuten. Betschers methodische Betrachtungen sind bodenständiger Natur, wenngleich sie modischen Jargon um „Intermedialität“ zumindest zitieren.“

Und auch andere Rezensenten mögen dieses Buch.

Und es stimmt. Wenn man wissen will, was medial versucht wurde, in die Köpfe der Menschen zu schütten, dann ist dies ein Beitrag dazu. Weil es aber viel mehr Zeitungen und Medien gab, wäre die Frage zu stellen, welche Medien waren dominant und erzeugten die wichtigsten Bilder in den Köpfen? Das kann erst beantwortet werden, wenn alle Medien untersucht worden sind und in einer gemeinsamen Methodik dann das gesamte Forschungsfeld unter dieser Fragestellung mit eindeutigen Kriterien untersucht wird.

Ob das jemals geschehen wird steht in den Sternen.

Insofern ist der hier erstellte Ausschnitt das, was wir haben und wissen – nicht mehr und nicht weniger.

Das Buch ist im Klartext-Verlag erschienen.

Silke Betscher
Von großen Brüdern und falschen Freunden
Visuelle Kalte-Kriegs-Diskurse in deutschen Nachkriegsillustrierten
lieferbar, erschienen am 13.11.2013
420 Seiten, zahlr. Abb., Broschur, 39,95 €
ISBN: 978-3-8375-0736-2

 

Veröffentlicht in Buch, Zeitgeschichte

Bildermacht, Studien zur Visual History des 20. und 21. Jahrhunderts von Gerhard Paul

„Absicht des Buches ist es, an ausgewählten Bildbeispielen aus dem vergangenen und dem begonnenen 21. Jahrhundert den Prozess des Aufstiegs der Bildmedien und dessen komplexe Folgen für Politik und Kultur, für Wahrnehmung und Erinnerung zu beleuchten.“

So nähert sich der Historiker Gerhard Paul mit gelungenen Einzelfallbetrachtungen seinem Thema.

Welche Bedeutung hat die neue „eigenständige Realität des Visuellen“ und wie verhält sie sich zur ersten „physischen Realität der Ereignisse“?

Das Buch wird zum Teil sehr gelobt in Rezensionen und ist sehr speziell und sehr tief in der Analyse.

Während man Texte zitieren kann, kann man Bilder eigentlich nicht „zitieren“. Und einfach darstellen ohne die Bildrechte erworben zu haben geht bei uns auch nicht.

Was tun?

Lucia Halder hat in ihrer Rezension Pauls Weg durch sein Buch und dieses Problem so zusammengefaßt: „Dem Autor ist es gelungen, eine beeindruckende Fülle von meist farbigen Abbildungen darzubieten und überzeugend zu strukturieren; ein jeweils ganzseitiger Abdruck wird dem im Folgenden analysierten Bild vorangestellt. Es folgt jeweils ein zirka einseitiges Abstract des Kapitels, bevor der Autor mit seiner detailreichen Analyse beginnt. Die ikonografischen Bildreihungen sind ebenso nachvollziehbar wie die Auswahl der Abbildungen. Paul reagiert damit äußerst geschickt auf das Problem der Rechteerwerbung, mit dem Bildhistoriker bei Ihren Publikationen stets zu kämpfen haben. Dabei bedient er sich der eleganten Argumentationsfigur, dass es sich bei den gezeigten Bildern mitnichten um Illustrationen, sondern um Zitate und Belege handle und verweist in zahlreichen Fußnoten auf weitere Abbildungen im Internet (S. 12). Die Kontextualisierungspraxis lässt für ein Buch, das sich mit visueller Quellenkritik befasst, jedoch ein wenig zu wünschen übrig. Fehlende Angaben zu Originalgrößen und Provenienz werden dem Anspruch Gerhard Pauls an „Bildkritik als Aufklärung“ (S. 653) nicht gerecht. Die Lektüre von Pauls Werk macht ebenfalls deutlich, dass die Rezeptionsforschung noch immer einen blinden Fleck auf der Forschungslandkarte der Visual History darstellt. “

Das Buch ist also mitten aus dem Leben und der sozialen Praxis zwischen Recht und Kommunikation. Jede einzelne Studie ist es wert gelesen zu werden und kann im Rahmen eines solchen Artikels nur als Hinweis genannt werden.

Zu welchem Ergebnis kommt Gerhard Paul, wenn er seine Einzelfälle zusammenfaßt?

„Bilder machen etwas mit uns, ihren Betrachtern… Wenn Macht nach Max Weber die Chance, die potentia, bezeichnet, auf das Denken und Verhalten von Personen und Gruppen auch gegen deren Willen einzuwirken, dann besteht BilderMACHT darin, via Bilder, etwas mit uns, mit ihren Betrachtern, notfalls auch gegen unseren Willen zu machen.“

Das Buch ist mit Geld von der Gerda-Henkel-Stiftung und der Volkswagenstiftung gemacht worden.

Offenkundig war das Thema Bildermacht dort von Interesse. Es ist also ein Thema aus der Mitte der Gesellschaft und der Mächtigen. Das macht das Buch besonders interessant und wichtig.

Es ist im Wallstein-Verlag erschienen.

Gerhard Paul

BilderMACHT

Studien zur Visual History des 20. und 21. Jahrhunderts

ISBN: 978-3-8353-1212-8 (2013)

Wer mehr über das Thema Visual History wissen will, kann einen Aufsatz dazu von Gerhard Paul auch online finden.