„Wenn Medien, Politiker und Stammtisch sagen, die größte Gefahr komme von rechts, kann ich das historisch und psychologisch verstehen. Denn der Holocaust, der bekanntlich von Rechtsextremisten – also den deutschen Nationalsozialisten – verübt worden ist, war kein muslimisches und auch kein linkes Phänomen.“

Das ist einer der Eingangssätze aus dem Buch Antisemitismus heute, in dem Susanne Schmugge ein Gespräch mit Michael Wolffsohn führt.

„Das Benennen von Muslimen im Zusammenhang mit Antisemitismus kommt sofort in den Geruch des Rassismus. Das ist sozusagen gegen die DNA der Bundesrepublik. Es gehört in Deutschland zur Staatsraison, dass Intoleranz gegen Herkunftsgruppen – welcher Art auch immer – nicht akzeptabel sein darf.“

Das ist der Satz danach.

Damit haben wir die Wunde erreicht, die Wolffsohn benennt und die bis heute brennt.

Das Interview ist ursprünglich bei Radio SRF 2 Kultur geführt worden und liest sich dementsprechend leicht ohne flach zu werden.

Wolfssohn bedient sich einer bildhaften Sprache, die auch einige Formeln mit sich bringt, die aber im Kern ein Problem beleuchten.

„Die AFD ist, vereinfacht gesprochen, einerseits eine Partei der Gangster und Schläger und andererseits der Polizisten. Das kann auf die Dauer nicht gutgehen.“

Das ist so eine Formel, die er dann breit erläutert.

Aber in dem Interview wird auch auf andere Aspekte eingegangen. Der Nahostkonflikt findet auch in Deutschland statt, weil ein immer größer werdender Teil von Menschen aus arabisch-islamischen Regionen hier angesiedelt wird. Das erinnert an Peter Scholl-Latour, der sinngemäß sagte, daß man selbst zu Kalkutta wird, wenn man halb Kalkutta hier hinholt.

Interessant sind aber auch seine Äußerungen zum Judentum an sich. Er schildert warum das Judentum eine weltweite Gemeinschaft ist. Dazu auch eine schöne Formel: „…aber das Jüdische ist nicht nur eine Religion, das Jüdische ist eine Gemeinschaft. Also anders als das Katholische oder Protestantische, weil im Judentum durchaus das Element des Gemeinschaftlichen, fast Nationalen besteht.“

Das Interview in dem Buch ist sehr empfehlenswert, wenn man einen Blick über den unreflektierten Mainstream hinaus riskieren will.

Das Buch schließt ab mit Gotthold Ephraim Lessings berühmten Theaterstück Nathan der Weise.

Vielleicht animiert dies dann noch zu einem Besuch in Lessings Geburtsort.

Wolffsohn schildert auch wie man mit Problemen umgehen kann, die man nicht einfach so lösen kann, nämlich durch konkretes Handeln im Miteinander – mit Grenzen.

Insgesamt ein gut gemachtes Buch, das ein schwieriges Thema lesenswert macht.

Das Buch ist bei kurz-und-buendig erschienen.