Von der Weltgeschichte zur Geschichte der Welt

Kultur und Erbe

Jede Gruppe macht ihre Geschichte selbst und schafft sich dafür Erinnerungen durch Texte und Bilder. Bei uns waren die letzten ihrer Art Will Durant und Otto Zierer, die eine Weltgeschichte geschrieben haben.

Kultur ist nicht angeboren sondern wird jeder Generation weitergegeben durch Bildung und Erziehung. Ein einmaliger Bruch kann das Ende der jeweiligen Gruppe bedeuten.

Das ist eine Erkenntnis aus den Büchern von Durant, Herodot und Zierer. Eine andere Erkenntnis ist auf Sicht das Ende von Deutschland in seiner bisherigen Form.

Das Jammern über das Ende der Welt und das Ende der Menschheit ist müßig, weil die eigene Endlichkeit dieses Thema sowieso persönlich beendet.

Stattdessen zeigen Blicke auf Gegenwart und Geschichte, daß es keine Alternative zu Waffen zur Verteidigung gibt und unzählige Menschen auf Schlachtfeldern gestorben sind. Das hat sich durch die Einführung von Tablets und Internet übrigens nicht verändert sondern die neue Technik wird für eigene Zwecke eingesetzt bis hin zur Nutzung von sozialen Medien als Terrorinstrument.

Konstantinopel und Istanbul

Andere sind da anders. Wenn wir die Türkei betrachten, dann weiß fast niemand mehr wie stark die Türken früher waren außer denen, die wieder diese Stärke wollen.

Betrachten wir dies einmal genauer.

„Konstantinopel wird künftig Istanbul heißen. Die Hagia Sophia wird nach einigen Umbauten Hauptmoschee der Mohammedaner. Da der Islam die bildhafte Darstellung Gottes und seiner Heiligen verbietet, werden die herrlichen Mosaikern weiß übertüncht… Von jetzt an ist der Türke für Jahrhunderte der Alpdruck Europas….“

Das schreibt Otto Zierer in Band 13 seiner Weltgeschichte auf Seite 116/7.

Aber wie konnte es soweit kommen?

Ein Grund sind die kirchlichen Streitigkeiten, die keine Versöhnung zwischen christlichen Ländern und Fürsten zugelassen haben. Als deutlich wird, daß der Türke angreifen will, flüchten die Wohlhabenden aus der Stadt und die Armen bleiben sich selbst überlassen.

Europa half damals nicht. Deshalb sollte es heute mehr Europa geben. Aber das wird nicht gewollt wie wir aktuell am Beispiel Frontex sehen.

Und so war es damals:

„Vor hundert Jahren hatte Sultan Urchan, der Sohn Osmans I,, seine Heerhaufen von der Propontis über Gallipoli auf europäischen Boden geführt; seit 1366 war das erstürmte Adrainopel Hauptstadt der Türkenherrscher, Serbien und die Walachei mußten sich den wilden Eroberern beugen, und als 1389 eine Erhebung der Serbenfürsten Lazarus und der Herzöge der Walachei, Bosniens und Albaniens in einr vernichtenden Niederlage endete, waren die Roßschweife der siegreichen Türken bis an die Tore Ungarns, der venzianischen Burgen Dalmatiens und der Täler der Steiermark vorgerückt….

Um die Ostertage des Jahres 1453 wird es offenbar, daß der Türke den Angriff auf Konstantinopel vorbereitet….

Diese Gardetruppe besteht aus einer Auslese christlicher Knaben, die meist schon im Alter von 10 bis 15 Jahren in den eroberten europäischen Provinzen, also in Serbien, Albanien, Bulgarien und Makedonien, ausgehoben werden. Alle diese Völker müssen den Knabenzins an die Türken leisten.

Zwei Tage dauert der Anmarsch der Truppen… Deutsche und ungarische Stückgießer und Ausbilder haben den Türken ein treffliches Artilleriekorps, die Topdschi, aufgebaut. In vielen Wagenzügen holpern die Geschütze hinter die inzwischen errichteten Wälle, Weidenschirme und Riesenkörbe…“

Wie sich die Bilder gleichen in Vergangenheit und Gegenwart.

Manch einer wird sich nach der Beschäftigung mit dieser Vergangenheit sicherlich Plänen für die Zukunft hingeben…

Wie real solche Ansätze sind, haben wir in den letzten Jahren in noch schlimmerer Form beim IS und seinem Kalifat erlebt. Einige Dokus zeigten schon Landkarten in denen Europa erobert worden war ….

Der Blick zurück kann lohnend sein, um manches zu verstehen.

Wenden wir uns nun einmal Herodot zu, dem „Vater der Geschichte“, den Ryszard Kapucscinski zitiert:

„Im Osten Indiens aber gibt es auch ein Wandervolk, die Padaier, welche rohes Fleisch essen… Wenn einer von ihnen …krank wird … so töten ihn … seine nächsten Freunde … er wird geschlachtet und von ihnen verzehrt… Bei anderen Indern ist wieder folgende Sitte. Sie töten kein lebendes Wesen, sie säen nicht, wohnen auch nicht in Häusern…. Alle die Inder, von denen bisher die Rede war, begatten sich auf offener Straße wie das Vieh, und sie haben alle dieselbe Hautfarbe, so wie die Äthiopier.“

Mehr dazu hier.

So unterschiedlich war und ist der Umgang mit den Lebensrisiken, einiges gibt es immer noch.

Die Welt ist schmutzig

Das sagte Will Durant über die Weltgeschichte: „Die Welt ist schmutzig. Sie war es immer. Sie wird es immer sein. Ich sehe keinen Grund für eine Änderung.“

Ich will dazu eine Schilderung aus seiner großen Kulturgeschichte zitieren, eine der vielen Tragödien im Laufe des Menschengeschlechts. Es geht um das „glorreiche“ Rom. Dazu wechseln wir nach Karthago. Auf Seite 124 in Band 4 schreibt Will Durant dazu folgendes:

„Die Kriegserklärung kam zugleich mit der Nachricht nach Karthago, daß die römische Flotte bereits nach Afrika in See gestochen sei…In aller Eile wurde ein Gesandtschaft nach Rom geschickt…. Der Senat forderte von Karthago die Auslieferung von 300 Kindern der vornehmsten Familien als Geiseln an die Consuln…. die Angehörigen der Kinder standen zu einem verzweifelten Abschied an den Küsten…. Als diese Bedingungen erfüllt waren, stellten die Consuln die neue Forderung, die Bevölkerung von Karthago solle sich fünfzehn Kilometer weit aus der Stadt zurückziehen, die dann den Flammen übergeben werden sollte… Als die Karthager vernahmen, was von ihnen gefordert wurde, gerieten sie völlig außer sich. Eltern, die der Verlust ihrer Kinder wahnsinnig gemacht hatte, zerstückelten Glied um Glied die Führer, die die Auslieferung der Kinder als Geiseln empfohlen hatten; andere erschlugen die Männer, die für die Auslieferung der Waffen gestimmt hatten; … andere ermordeten alle Italiker, die sie in der Stadt aufstöbern konnten….“

Das war damals.

Wir erinnern uns heute vielleicht an die täglichen Grausamkeiten in den Nachrichten oder an die vielen Orte auf der Welt, wo gerade dies alles in neuer Form geschieht.

Daraus kann man lernen.

Wir können zum Beispiel unsere Demokratie als Errungenschaft ansehen, die wir verteidigen müssen ohne ihre Gegner einzuladen und aus einem Gastrecht ein trojanisches Pferd zu machen.

Oder wir können daraus lernen, daß Demokratie nur dann stark ist, wenn sie nicht Freiheit ohne Verpflichtung predigt.

Und wir sollten nicht so naiv sein und glauben, nur weil wir unsere Demokratie gut finden, tun dies alle anderen auch. Die meisten anderen Länder sind es nicht wie z.B. auch China und nun auch die Türkei zeigen.

Es steht uns heute wieder einmal ein Wettstreit der Systeme bevor.

Dafür müssen wir gerüstet sein, materiell und mental?

Sind wir das oder brauchen wir eine andere Politik?

Beantworten Sie das selbst.

Ich schließe nicht ohne Hoffnung aber viel Pessimismus mit einem Zitat von Golo Mann:

„Die Macht des Heeres war die Macht der Heerführer, die immer wieder ihre Stellung mißbrauchten, um als Imperator oder Gott-Kaiser an die oberste Spitze zu gelangen.

(Moral: Das Heer hätte, wie in der guten alten Zeit, ein Bürgerherr sein müssen, geführt von loyalen Bürgern, nicht ein Heer teils von Söldnern, teils von widerwillig Hineingezwungenen, teils sogar von Nicht-Römern, von Germanen.)

Der Größe des Heeres entsprach die Schwere der Steuerlast. Die Steuern wurden zum größten Teil von den Armen getragen, nicht von den Reichen, die Mittel und Wege fanden, ihnen zu entgehen.

(Moral: Ohne ein gerechtes, wirksames Steuersystem läßt sich kein Reich, keine Gesellschaft sich verteidigen, am allerwenigsten in gefährlichen Zeiten, wie das 4., das 5. Jahrhundert für Rom waren.)

Teils an sich selber, weil jeder Beamte seine Kinder mit hineinschleuste, teils an den immer komplizierter werdenden Aufgaben der Verwaltung schwoll der Körper der Bürokratie an zu erstickendem Gewicht; mit um so bösartiger Wirkung, weil die Bürokratie unterbezahlt war und folglich auf Bestechung und, wo sie konnte, auch Akte grausamer Willkür sich angewiesen glaubte.

(Moral: Die Beamtenschaft einer entwickelten Gesellschaft muß zahlenmäßig in vernünftigen Grenzen gehalten werden; als Stand bedarf sie eines besonderen Pflicht- und Ehrgefühls.)

Inmitten eines übersteuerten, überverwalteten, durch innere Unordnung und äußere Feinde bedrohten Gemeinwesens zogen die Reichen sich auf ihre Besitzungen wie auf Festungen zurück; wenn sie nicht gar ihr Vermögen weislich nach Ostrom, nach Konstantinopel und Anatolien verschoben, wo man einstweilen sich noch sicherer fühlen konnte.

(Moral: Verraten die Reichen die große Mehrheit ihrer Landsleute, dann verraten sie auf die Dauer auch sich selber; durch zynischen Egoismus können sie sich nur für kurze Zeit retten.)

In der aus dem Osten stammenden christlichen Religion, seit Konstantin Staatsreligion, walteten die allerverschiedensten Motive. Eines von Ihnen war staatsverneinend, diesseitsverneinend. Es führte zu den Lebensweisen des Einsiedlers in der Wüste, des Mönchs in eng geschlossenen, ausschließender Gemeinschaft, des passiven Rebellen, der das nahe Weltende erwartend, den Pflichten des Bürgers sich entzog.

(Moral: Religion ist dem Menschen natürlich und lebenswichtig. Sie darf ihn aber nicht so weit beherrschen, daß er über ihr die Aufgaben dieser unserer Welt ignoriert und verachtet. Andernfalls wird es zuletzt sogar seiner Religion übel ergehen.) …

Und so folgt ein Beispiel für schädliche Konflikte nach dem anderen….“

Aus: Golo Mann in seinem Vorwort zu dem Buch von Michael Grant „Der Untergang des Römischen Reiches“